Das Haus ohne Sportler

In allen Wohnhäusern des Olympischen Dorfes waren 1972 die Sportler untergebracht – nur in einem nicht – im Helene-Mayer-Ring 12.

Natürlich gibt es Gebäude im Oly-Dorf, die als Gemeinschaftsräume genutzt wurden – das Kirchenzentrum, die heutige Nadischule und das Forum (heute Cafe Blücher) sind hier zu nennen. In den Wohngebäuden des Helene-Mayer-Rings, der Connolly-, Nadi- und Straßbergerstraße waren aber überall Sportler, Trainer und Funktioniäre untergebracht. Lediglich eine Hausnummer der vier Straßen fällt hier aus dem Rahmen: der Helene-Mayer-Ring 12. Auf der Nationentafel findet sich kein Eintrag, welche Nation hier während der Spiele gewohnt hat. Im Helene-Mayer-Ring waren scheinbar nur Sportler in den Hausnummern HMR 14 (viele Nationen) und HMR 10 (Portugal und das von den Spielen kurzfristig ausgeschlossene Rhodesien) untergebracht. Doch was war im Haus mit der Nummer 12?

Über den HMR 12 findet sich praktisch nirgends etwas. Das Haus ist auch „anders“ gebaut, als seine Nachbargebäude. Der HMR 12 hat nicht nur einen, sondern gleich zwei Eingänge. Und jeder Eingang bietet ausschließlich Zugang zu bestimmten Stockwerken. Einmal sind das die obersten Stockwerke, in denen die Zimmer des heutigen Art-Hotel Ana liegen (früher Arabella Hotel). Und der zweite Eingang bietet Zugang zu den zwölf Stockwerken darunter, in denen Eigentums- und Mietwohnungen sind. Aber der genaue Zweck und welche Nation(en) während der Spiele in den Wohnungen untergebracht war, darüber ist nichts bekannt.

Nach längerer Suche hat sich die dreibändige und mehrere kg schwere Olympiadokumentation „Die Spiele“ als Antwortgeber erwiesen. Sie gibt es in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch und enthält unheimlich viele Detailinformationen. Von den Bauten über die eingesetzten Stoppuhren bis hin zur Möblierung der Wohnungen. Diese drei phänomenalen Bücher werden immer mal wieder bei eBay & Co. angeboten und kosten im Set meist (teilweise sogar deutlich) über 150€.

In Band 2 auf Seite 196 über die Olympiabauten wird über den HMR 12 folgendes berichtet: Das Gebäude „G3″ bildet den Mittelteil des Nord-Süd-Scheibenhochhauses (siehe unter „G2″). Es lag im öffentlichen Bereich des Dorfes, das heißt, es war Besuchern von außerhalb zugänglich. Die Konstruktion wurde in konventioneller Stahlbetonbauweise (Querwandschotten) ausgeführt. Das Bauwerk besitzt über der Fußgängerebene 17 Etagen.
Olympische Funktion:
Die unteren Etagen wurden durch Gäste des OKs belegt. Über der 14. Etage war das Hotel des Olympischen Dorfes, das während der Spiele für Gäste des OKs zur Verfügung stand.
Nacholympische Funktion:
Das Hotel des Olympischen Dorfes wird nach den Spielen weiter als Hotel genutzt.
Die Etagen unterhalb des Hotels wurden bis auf das Erdgeschoß (Ladenstraße) als Eigentumswohnungen verkauft.

Heute befindet sich im Erdgeschoß der Frühstücksraum des Hotels. Früher war es das Restaurant „Zur Fackel“, in dem auch eine original Fackel vom Fackellauf hing.

Links das Hotel mit Aufzügen in die oberen Stockwerke. Rechts der Eingang zu den Wohnungen mit den Klingeln für die Stockwerke 01 bis 12.

Author: TS

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