Der Name Otl Aicher steht für das Design der Spiele. Ausgerechnet das Logo stammt nicht von ihm. Fast zumindest. Otl Aicher war „Chefdesigner“ der Olympischen Spiele 1972. Seine konsequent einfachen Piktogramme haben Maßstäbe gesetzt.

Aichers Vorschlag für das Logo der Spiele war ein Strahlenkranz, der für Heiterkeit und Frische stehen sollte und München als „strahlende Stadt“ symbolisieren sollte. So, wie „München leuchtet“ in Thomas Manns „Gladius Dei“.
Der Strahlenkranz wurde in den Gremien zwar positiv aufgenommen, für Freudensprünge sorgte er aber nicht. Und es gab noch ein weiteres Problem: die geometrische Form ließ sich nicht schützen.
Aus diesem Grund wurde ein offener Wettbewerb ins Leben gerufen. Hauptpreis: 20.000 D-Mark. Damals ein, wenn nicht gar zwei Jahresgehälter eines Angestellten. Insgesamt 2.332 Vorschläge wurden eingereicht. Gewonnen hat am Ende Gerhard Eisenmann. Er erhielt zwar den Geldpreis, sein Entwurf wurde letztlich aber doch nicht verwendet. Er erreichte nicht die volle Punktzahl.
Das Logo für die Spiele in München sollte ähnlich klar sein wie die Piktogramme, Schriften und Farben von Aicher. Es muss – so sagte Willi Daume, Chef des OK, in heute politisch unkorrekter Ausdrucksweise – „bis in den Urwald hinein als Symbol der Münchner Spiele verstanden werden.“
Mitte Juni 1968 war es dann so weit. Der Kölner Designer Coordt von Mannstein hatte Otl Aichers Strahlenkranz genommen und in eine Spirale verwandelt. So kam neben Leuchten, Heiterkeit und Frische auch Bewegung ins Logo. Aicher hat also die Grundform bestimmt, die finale Form stammt aber nicht von ihm.

Zusatzinformationen:
Weitere Details finden sich im wunderbaren Artikel von Wolfgang Scheerer aus der Südwest Presse vom 17.Mai 2018
Aicher war verheiratet mit Inge Scholl, der Schwester von Hans und Sophie Scholl.
1 thought on “München leuchtet”