Wer bei Olympischen Spielen Höchstleistungen bringen möchte, muss ordentlich essen. Das war 1972 nicht anders. Doch die Verpflegung der Sportler stellte die Münchner Organisatoren vor eine besondere Herausforderung: Rund 12.000 Bewohner des Olympischen Dorfs mussten versorgt werden. Und die hatten nicht nur unterschiedliche Sportarten, sondern auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was auf einen Frühstückstisch gehört.
Deshalb wurde die Mensa im Olympischen Dorf eigens erweitert. In den verschiedenen Speisesälen standen insgesamt 2.500 Plätze zur Verfügung. Acht Kücheneinheiten sorgten dafür, dass möglichst niemand lange auf sein Essen warten musste. Gegessen wurde im Selbstbedienungsverfahren, denn bei Tausenden hungrigen Sportlern wäre ein Kellnerservice wohl selbst zur olympischen Disziplin geworden.
Das Frühstück gab es bereits ab 5:30 Uhr morgens und bis mittags. Zur Auswahl standen unter anderem Rührei, Spiegelei, Omeletts, Schinken, Würstchen, verschiedene Brotsorten, Cornflakes und Bircher-Müsli. Dazu Kaffee, Tee, Kakao, Fruchtsäfte und sogar Coca-Cola. Wer es etwas ausgefallener mochte, konnte auch Hering oder Leberwurst zum Frühstück bekommen.
Mittags standen beispielsweise Lammkoteletts, Hähnchenschenkel oder Rumpsteak auf dem Speiseplan. Dazu gab es Reis, Nudeln, Kartoffeln und Gemüse. Abends konnte man zwischen Fischstäbchen in Tomatensoße, Rindersteak und Rahmgeschnetzeltem wählen. Als Nachtisch wurden unter anderem Obstsalat, Eis, Schokoladenpudding und verschiedene Kuchen angeboten. Der Speiseplan wiederholte sich alle zehn Tage.
Besonders interessant ist, wie man mit den unterschiedlichen Essgewohnheiten der Nationen umging: Man entschied sich bewusst gegen eine eigene Küche für jeden Kulturkreis. Stattdessen gab es einen einheitlichen Grundspeiseplan mit verschiedenen Wahlmöglichkeiten. Die Organisatoren argumentierten, dass sich die Ernährung von Hochleistungssportlern weltweit ohnehin ähnele: viel Eiweiß, viele Vitamine und möglichst leicht verdauliche Speisen. Kulturelle Unterschiede sollten also vor allem durch die Auswahl verschiedener Gerichte aufgefangen werden.
Auch die Essenszeiten waren großzügig bemessen. Mittagessen gab es von 11:30 bis 18 Uhr, Abendessen sogar bis ein Uhr nachts. Schließlich richtete sich der Hunger der Athleten nicht nach deutschen Kantinenöffnungszeiten, sondern nach ihren Wettkämpfen.
Laut offiziellem Abschlussbericht lobten sämtliche Mannschaften die Vielfalt der Speisen und die kurzen Wartezeiten. Ob wirklich alle mit dem Essen zufrieden waren, lässt sich heute schwer überprüfen. Zumindest war die Auswahl groß genug, um auch ausgefallene Wünsche zu erfüllen.
Die Olympischen Spiele 1972 gingen bekanntlich durch die Geschichte. Vorher musste es aber erst einmal durch den Magen.





