Wer 1972 bei den Olympischen Spielen in München dabei sein wollte, brauchte eine Eintrittskarte. Und weil bei rund vier Millionen verfügbaren Tickets auch Betrüger auf ihre Kosten kommen könnten, ließ man sich etwas Besonderes einfallen: Die Eintrittskarten sollten so fälschungssicher werden wie Geldscheine.
Den Auftrag erhielt die Münchner Firma Giesecke & Devrient, die bereits 1936 die Eintrittskarten für die Olympischen Spiele in Berlin hergestellt hatte. Das Unternehmen war und ist immer noch auf den Druck von Banknoten und Wertpapieren spezialisiert und brachte diese Erfahrung nun auch bei den Olympiatickets ein.
Die Karten wurden auf Spezialpapier gedruckt und mit gleich drei Sicherheitsmerkmalen versehen. Ein Wasserzeichen zeigte die fünf olympischen Ringe und die Jahreszahl 1972. Ein eingearbeiteter Metallfaden erschwerte das Nachmachen zusätzlich. Und schließlich bekamen die Karten sogenannte Guillochen: feine, ineinander verschlungene Linienmuster, wie man sie auch von Geldscheinen kennt. Diese waren sogar zweifarbig gedruckt. Einfach mal eben eine Eintrittskarte kopieren war damit praktisch ausgeschlossen.


Doch die Tickets waren nicht nur sicher, sondern auch durchdacht. Rund 1.150 verschiedene Kartenvarianten mussten verwaltet werden. Jede erhielt eine sechsstellige Kennzahl, aus der sich Sportart, Veranstaltungstag, Tageszeit und Preiskategorie ablesen ließen. Die ersten beiden Ziffern bezeichneten beispielsweise die Veranstaltung: 01 stand für die Eröffnungsfeier, 02 für Leichtathletik und 03 für Rudern. Die nächsten beiden Ziffern gaben den Tag an, die fünfte die Tageszeit und die letzte die Preiskategorie.
Quellen: Charly Biernat und Olympic-Museum
Auch die Farben hatten eine Funktion. Die verschiedenen Wettkampfstätten erhielten eigene Farbcodes, ebenso die Veranstaltungstage. So konnten die Kontrolleure am Eingang schon anhand der Farbkombination erkennen, ob jemand mit der richtigen Karte vor ihnen stand. Das war besonders praktisch, wenn Tausende Besucher gleichzeitig ins Stadion wollten.
Die Tickets waren mit 10,5 mal 14,85 Zentimetern etwa so groß wie eine Postkarte. Neben den Angaben zu Sportart, Datum und Uhrzeit enthielten sie auch Piktogramme, Sitzplatzinformationen und teilweise kleine Lagepläne. Damit waren sie nicht nur Eintrittskarte, sondern zugleich Wegweiser und ein kleines Kunstwerk im Stil des berühmten Olympia-Designs von Otl Aicher.
Der Aufwand lohnte sich offenbar. Laut einer späteren Untersuchung der Eintrittskarten tauchten keine gefälschten Tickets auf. Heute sind die Originale begehrte Sammlerstücke und erinnern daran, dass man schon 1972 großen technischen Aufwand betrieb, um Betrügern das Leben schwer zu machen. Die Eintrittskarten waren eben fast wie Geldscheine.




