Die Poster

Die Plakate der Olympischen Spiele 1972 in München gehören zu den bekanntesten Grafikarbeiten des 20. Jahrhunderts.

Verantwortlich dafür war der Designer Otl Aicher, der mit seinem Team ein Erscheinungsbild entwickelte, das bis heute als Meilenstein des Corporate Designs gilt. Die Spiele sollten ein völlig neues Bild Deutschlands vermitteln: offen, modern, demokratisch und friedlich. Nach den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin lautete das Motto bewusst „Die heiteren Spiele“.

Diese Idee spiegelte sich konsequent in der Gestaltung wider. Die Farben Rot und Schwarz waren tabu, weil sie zu starke Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus weckten. Stattdessen prägten helle, freundliche Farben wie Himmelblau, Hellgrün, Gelb und Orange das gesamte Erscheinungsbild – von den Eintrittskarten über die Wegweiser bis hin zu den Plakaten.

Besonders beeindruckend waren die Poster der einzelnen Sportarten. Grundlage waren Fotografien von Athletinnen und Athleten, die jedoch so stark bearbeitet wurden, dass sie fast wie Gemälde wirkten. Durch Solarisationseffekte, ungewöhnliche Farbgebung und eine mathematisch präzise Rasterstruktur entstanden dynamische Motive, die Bewegung und Geschwindigkeit auf völlig neue Weise einfingen. Jede Sportart erhielt ihre eigene unverwechselbare Bildsprache und blieb dennoch Teil des einheitlichen Gesamtkonzepts.

Einen Cameo-Auftritt der beteiligten Grafiker gibt es auch noch. Im Plakat des modernen Fünfkampf das oftmals als „Waldlauf“ bezeichnet wird, das als einziges nie offziell verkauft wurde und das zudem nur in A0 verfügbar ist, verstecken sich fünf Silhouetten der Macher im Hintergrund zwischen den Bäumen. Man muss schon suchen, um sie zu finden.

Screenshot

Parallel dazu erschien die legendäre „Edition Olympia“. Dafür wurden international renommierte Künstler wie David Hockney, Victor Vasarely oder Josef Albers eingeladen, offizielle Kunstplakate zu entwerfen. Die Verbindung aus funktionalem Grafikdesign und freier Kunst machte München 1972 zu einem Meilenstein der Designgeschichte. Viele der Plakate sind heute begehrte Sammlerstücke und zeigen eindrucksvoll, wie Gestaltung weit mehr sein kann als Dekoration – sie kann die Identität eines ganzen Landes prägen.

Author: TS

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